Rein in den Tag und raus in die Welt – das versprechen sich viele Menschen von Trekkingtouren. Einfach mal den Alltag hinter sich lassen und durch die Natur ziehen. Oft verbunden mit #DigitalDetox. Dabei gibt es jede Menge Möglichkeiten. Die Auswahl an europäischen Fernwanderwegen ist gross, für jedes Niveau und jeden Anspruch ist etwas dabei. Welche Routen besonders schön sind, erfährst du hier.

Was ist der Unterschied zwischen Wandern, Hiking und Trekking?

Wandern, Hiking und Trekking: die Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet, meinen aber eigentlich unterschiedliche Sachen. Unter Wandern versteht man tatsächlich die klassischen Tagestouren auf markierten Wegen, meist gemütlich, ohne viel Ausrüstung. Der Genuss steht im Vordergrund.

Hiking ist ein international gebräuchlicher, inzwischen eingedeutschter Begriff, der eher anspruchsvollere Touren, teils ins alpine Gelände – bezeichnet. Oft meint man damit sportliches Wandern mit mehr Höhenmetern oder längeren Strecken.

Trekking bezeichnet mehrtägige (Wander-) Touren, oft in abgelegenen Gebieten, mit Übernachtung im Zelt oder in Hütten. Das erfordert also mehr Planung, Kondition und Ausrüstung – belohnt dich aber mit dem echten „Abenteuer-Feeling“.

Welche sind die schönsten Fernwanderwege in Europa?

Europa ist wahnsinnig vielfältig, und das spiegelt sich auch in den Trekking-Routen wider, sodass für jeden Trekking-Fan etwas dabei ist. Das hier sind unsere Favoriten, aber natürlich gibt es noch viele andere europäische Fernwanderwege, die einen Platz auf der Liste verdient hätten.

West Highland Way (Schottland)

154 km, 3.155 Hm, 5-9 Tage

Für viele der schönste Fernwanderweg auf dem Kontinent: Im hohen Norden Schottlands hat sich der West Highland Way vom Geheimtipp zum Traumziel gemausert. Er führt tief in die schottischen Highlands und lässt dich abgelegene, wilde und natürliche Landschaften erleben. Durch stille Täler und entlang verwunschener Seen (Lochs genannt) bietet er eine spektakuläre Landschaft, die das schottische Hochland wahrhaftig repräsentiert. Permanent liegt etwas Mystisches in der Luft. Allerdings hat das auch den Nachteil, dass jährlich über 35.000 Menschen den WHW beschreiten.

Mit normaler Kondition ist der Weg auch für Trekking-Einsteiger machbar, die grösste Herausforderung bleibt wohl das wechselhafte schottische Wetter.

Camino de Santiago / Jakobsweg (Spanien)

780 km, 12.000 Hm, 30-35 Tage

Mit Sicherheit einer der bekanntesten Fernwanderwege in Europa ist der Jakobsweg. Der auch als Camino de Santiago bekannte Fernwanderweg ist eine der ältesten Pilgerstrecken der Welt. Aus allen Ecken des Planeten kommen die Menschen, um sich dieser Wanderung zu stellen und sich in diesen fünf Wochen Wanderzeit selbst zu finden.

Genau genommen gibt es mehrere Wege, die aber alle Santiago de Compostela zum Ziel haben. Die Infrastruktur ist gut, auf dem Weg finden sich viele Unterkünfte und die Tour ist mit guter Grundkondition für alle zu meistern.

Tour du Mont Blanc (Frankreich/Italien/Schweiz)

170 km, 10.500 Hm, 8-10 Tage

Die Tour du Mont Blanc bietet neben einzigartigen Landschaften und schönen Bergdörfern einen spektakulären Blick auf den Mont Blanc, den höchsten Berg Europas. Da es unterwegs einige Höhenmeter zu absolvieren gibt, ist die Tour ideal für Trekker*innen mit etwas Wandererfahrung.

Dank der guten Infrastruktur mit Hütten und Unterkünften lässt sich die Tour individuell anpassen. Von gemütlichen Etappen bis zu sportlichen Herausforderungen.

Kungsleden (Schweden)

450 km, 13.000 Hm, 25-30 Tage

Auch im hohen Norden gibt es mit dem Kungsleden, zu Deutsch „der Königspfad“, eine Trekkingroute, die mit einer wunderschönen Landschaft besticht. Anders als auf vielen anderen Fernwanderwegen in Europa ist auch Zelten an vielen dafür vorgesehenen Plätzen in der Nähe der Hütten möglich.

Auf dem Kungsleden unterwegs kannst du die wunderschöne arktische Landschaft bestaunen und sogar den Mount Kebnekaise, Schwedens höchsten Berg, besteigen. Da auch hier das Wetter recht abwechslungsreich sein kann, solltest du sehr gut ausgerüstet sein. Technisch ist diese Tour wenig fordernd, aber Erfahrung in Sachen Selbstversorgung ist hilfreich.

Dolomiten Höhenweg 1 (Italien)

150km, 6.700 Hm, 6-8 Tage

Die Alta Via 1 ist einer der beliebtesten Fernwanderwege in Europa. Das liegt vor allem an den vielen beeindruckenden Ausblicken, die du entlang des Weges erhältst. Gemütliche Berghütten, kombiniert mit wilden, rauen Landschaften geprägt von markanten Kalksteinspitzen machen diese Route zu einer perfekten Mischung aus Abenteuer und Komfort. Und das auch für Anfänger*innen. Denn der Dolomiten Höhenweg 1 gilt als einfacher Höhenweg und ist auch ohne viel Erfahrung zu meistern.

Rota Vicentina / Fischerpfad (Portugal)

400km, 4.000 Hm, 20-25 Tage

Ebenfalls recht anfängerfreundlich ist der Fischerpfad in Portugal, eine Küstentour mit moderaten Etappen und toller Natur ohne extremen Höhenmetern. Die Strecke führt dich entlang schroffer Klippen, einsamer Strände und durch kleine Fischerdörfer. Perfekt, wenn du Meerblick und Weite liebst.

GR20 (Korsika, Frankreich)

180km, 12.000 Hm, 14-16 Tage

Der GR20 ist ein GR (Grande Randonnée) Wanderweg, der die Mittelmeerinsel Korsika von Nord nach Süd durchquert. Aber Achtung: der GR20 gilt als einer der härtesten Fernwanderwege Europas. Viel Kraxxlerei, felsiges Terrain und mitunter extreme Wetterwechsel fordern selbst erfahrene Trekker*innen heraus und machen eine solide Vorbereitung unverzichtbar.

Dafür wirst du auf dem GR20 mit spektakulären Ausblicken über schroffe Bergketten, alpine Seen und die wilde Küstenlinie Korsikas belohnt – eine Landschaft, die so abwechslungsreich wie atemberaubend ist.

Laugavegur Trail (Island)

55 km, 1.700 Hm, 4-5 Tage

Island ist inzwischen zu so etwas wie dem europäischen Reiseziel schlechthin aufgestiegen: auch zum Trekking. Besonders beliebt ist dabei der „Weg der heissen Quellen“, der Laugavegur Trail.

Die vier- bis sechstägige Tour im Süden der Insel führt durch tiefe Schluchten, über Lavafelder und vorbei an Gletschern. Das Besondere: Überall brodelt, kocht, dampft und faucht es aus dem Boden.

Die Tour ist grundsätzlich leicht zu gehen, aber das isländische Wetter macht die Route anspruchsvoll. Wer unsicher ist, sollte am besten mit einem unserer Guides gehen.

E5 Alpenüberquerung (Deutschland–Österreich–Italien)

bis zu 400 km, 10.000 Hm, 6-25 Tage

Inzwischen so etwas wie ein Standard-Punkt auf jeder Bucket-Liste, die was auf sich hält, ist die Alpenüberquerung. Alle sind ähnlich schön und anspruchsvoll. Stellvertretend findet sich der E5 Höhenweg von Oberstdorf nach Meran auf der Liste.

Das Besondere an der Trekkingtour ist der extreme Wechsel von Landschaften, Vegetations- und Klimazonen. Von Blumenwiesen im Allgäu, vorbei an Gletschern und Felswänden im Ötztal bis zu Zypressen im milden Klima Südtirols sieht man viel in kurzer Zeit.

Allerdings bekommst du das nicht umsonst. Trittsicherheit und gute Fitness sind absolute Grundvoraussetzung, die täglichen Auf- und Abstiege weisen bis zu 1.000 Höhenmeter auf. Allerdings brauchst du keine umfassende alpine Erfahrung, da du quasi durchgehend auf gut präparierten Wanderwegen unterwegs bist.

Via Alpina (Schweiz, Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien)

2.200 km, 100.000 Hm, 70-80 Tage

Trekking in Deutschland? Trekking in der Schweiz? Oder doch lieber Trekking in Frankreich? Auf der Via Alpina musst du dich nicht entscheiden. Zumindest nicht, wenn du diese Route komplett beschreiten willst. Das dauert allerdings knapp 2,5 Monate. Daher empfiehlt es sich, diese Trekkingtour in Abschnitten zu gehen und im Vorfeld eine Alpenüberquerung zu machen.

Francia camminate

Was kostet Trekking in Europa?

Wie viel du für die jeweiligen Trekkingtouren ausgeben musst, kann stark variieren. Je nach Länge und Komfort reichen die Kosten von sehr günstig bis hin zu mehreren tausend CHF/Euro.

Wer mit Zelt und Selbstverpflegung unterwegs ist, kommt auf vielen Routen mit einem Tagesbudget von 20–40 € aus. Legst du Wert auf Restaurantbesuche und bequeme Betten, solltest du bis zu 120 € pro Tag einplanen. Definitiv nicht sparen solltest du bei der Ausrüstung. Denn wenn dir ständig kalt ist und du immer nass durch die Gegend marschierst, werden dich selbst die beeindruckendsten Landschaften nicht erfreuen.

Klettern Dolomiten Tag 1

Fazit

In ganz Europa gibt es viele schön Trekkingrouten: von Küstenpfaden über Alpenüberquerungen bis hin zu arktischen Weiten. Auch Routen mit Trekkingplätze in Deutschland (zum Beispiel im Allgäu) und der Schweiz bieten dir spannende Möglichkeiten für Trekking, ohne weit reisen zu müssen.

Wichtig ist aber auf jeden Fall, dass du dich und deine Fitness richtig einschätzt, dich entsprechend vorbereitest und nicht an der Ausrüstung sparst. So wird dein Trekking-Abenteuer zu ein einmaliges Erlebnis!

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