Die Urner Alpen werden oft übersehen. Während die Tourismusmaschine im Wallis auf Hochtouren läuft und das Berner Oberland von Reiseberichten überflutet wird, liegt der Kanton Uri ruhig im Hintergrund. Kein Massentourismus, keine überfüllten Hütten, keine langen Schlangen vor dem Gipfelkreuz. Was es dafür gibt: einige der schönsten und abwechslungsreichsten Hochtouren der ganzen Schweiz.
Wir sind von Erstfeld aus. Die Urner Alpen sind unser Heimgebirge. Und genau deshalb teilen wir in diesem Artikel unsere Lieblingstouren mit euch.
Warum Hochtouren in Uri?
Die Urner Alpen erstrecken sich vom Reusstal im Norden bis zum Gotthardmassiv im Süden und umfassen eine beeindruckende Dichte an vergletscherten Gipfeln zwischen 2800 und 3600 Metern. Was sie von anderen Alpenregionen unterscheidet:
Die Zugänglichkeit ist hervorragend. Viele Touren starten direkt ab Göscheneralp, Realp oder dem Sustenpass und sind ohne stundenlange Anreise erreichbar. Die Hütten sind gut geführt, aber nicht überlaufen. Das Panorama am Gipfel reicht weit über die Kantonsgrenzen hinaus, oft bis zu den Walliser Viertausendern und den Berner Hochalpen. Und die Varianz ist gross: Von der sanften Gletschertour auf dem Sustenhorn bis zur anspruchsvollen Überschreitung auf dem Dammastock ist alles dabei.
Die Schweizer Alpen bieten eine erstaunliche Auswahl an Hochtouren, die auch ohne jahrelange Erfahrung machbar sind. Vorausgesetzt, du gehst mit einem erfahrenen Bergführer und bist körperlich gut vorbereitet. In diesem Artikel zeigen wir dir fünf Touren, die sich ideal als erste Hochtouren eignen: logistisch erreichbar, landschaftlich eindrücklich, technisch lernbar.
Was ist überhaupt eine Hochtour?
Eine Hochtour ist im Unterschied zur normalen Wanderung dadurch geprägt, dass du über Gletscher, Firn oder Fels auf einen Gipfel steigst. Meist im Hochgebirge ab 2500 Metern. Du bewegst dich dabei am Seil des Bergführers, trägst Steigeisen und lernst den Umgang mit dem Pickel.
Die gute Nachricht: Du musst kein Profi sein, um loszulegen. Die Schweizer Alpen haben genug Ziele, die für ambitionierte Bergwanderer mit guter Kondition erreichbar sind, oft schon beim ersten Hochtourenkurs oder auf einer geführten Tagestour.
Die besten Sommerhochtouren in den Urner Alpen
1. Sustenhorn (3502 m): Der grosse Aussichtsgipfel
Schwierigkeit: L bis WS
Aufstieg: ca. 1650 Hm | Gehzeit: 6 bis 7 Std.
Ausgangspunkt: Göscheneralp (UR) oder Steingletscher (BE)
Saison: Juni bis Oktober
Das Sustenhorn ist unser Standardempfehlung für alle, die zum ersten Mal eine echte Gletscherhochtour erleben wollen. Ab Göscheneralp geht es zunächst durch ein breites Gletschertal, vorbei an moränengeformten Hügeln und der Voralphütte, bevor man auf den Steingletscher trifft. Das Gelände ist übersichtlich, der Gletscher gut begehbar, die Route logisch.
Oben angekommen eröffnet sich eines der beeindruckendsten Panoramen der Zentralschweiz. Der Blick reicht über Uri, Bern und Wallis, bei guter Sicht bis zum Montblanc. Wer die Überschreitung wählt und auf der Berner Seite via Steingletscher absteigt, bekommt dazu noch einen ganz anderen Blickwinkel auf denselben Berg.
Ideal für: Einsteiger mit solider Kondition. Die SAC-Schwierigkeit «L» täuscht nicht. Es ist eine lange Tour, aber technisch gut beherrschbar.
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2. Dammastock (3630 m): König der Urner Alpen
Schwierigkeit: ZS (ziemlich schwierig)
Aufstieg: ca. 1700 Hm | Gehzeit: 7 bis 8 Std.
Ausgangspunkt: Göscheneralp (UR)
Saison: Juli bis September
Der Dammastock ist der höchste Gipfel der Urner Alpen und der eindrücklichste. Die Route führt ab Göscheneralp über den Dammafirn, einem der wenigen noch intakten grossen Gletscher der Zentralschweiz, auf ein Gipfelplateau mit Blick über einen Grossteil der Schweizer Alpen.
Technisch anspruchsvoller als das Sustenhorn: Steilere Firnhänge, ein kurzer ausgesetzter Grat und wechselnde Schneeverhältnisse machen eine gute Vorbereitung und einen erfahrenen Bergführer notwendig. Wer jedoch mit einer ersten Hochtour im Rucksack zurückkommt, findet im Dammastock eine würdige nächste Stufe.
Besonderheit: Der Dammafirn ist geologisch faszinierend und landschaftlich von einer fast arktischen Stille. Wer früh aufbricht, hat oft stundenlang den Berg für sich allein.
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3. Gross Düssi, Piz Git (3256 m): Geheimtipp im Maderanertal
Schwierigkeit: WS
Aufstieg: ca. 1300 Hm | Gehzeit: 5 bis 6 Std.
Ausgangspunkt: Meienreuss (UR)
Saison: Juli bis Oktober
Das Gross Düssi ist einer unserer absoluten Lieblingstipps für alle, die die Urner Alpen abseits der bekannten Routen kennenlernen wollen. Das Maderanertal ist ein stilles, von wenigen Wanderern besuchtes Seitental. Der Aufstieg führt über Alpweiden, durch Blockgelände und schliesslich über dem Hüfifirn auf den Gipfel.
Die Aussicht von hier ist unverhältnismässig gross für einen Dreitausender: die gesamte Urner Alpenkette liegen wie auf einer Bühne. Unten im Tal kaum ein Mensch.
Ideal für: Fortgeschrittene Wanderer, die ihre erste Gletscherberührung suchen. Auch in Verbindung mit weiteren Touren oder eine Weiteranderung zur Planurahütte.
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4. Galenstock (3583 m): Furkagebiet mit Gletscherüberquerung
Schwierigkeit: WS
Aufstieg: ca. 1300 Hm | Gehzeit: 6 bis 7 Std.
Ausgangspunkt: Tiefenbach / Furkapass (UR)
Saison: Juli bis September
Der Galenstock liegt am Rand des Urserntals, unmittelbar beim Furkapass, und führt über den Tiefengletscher auf einen der markantesten Gipfel der Urner Alpen. Die Route quert ausgedehnte Gletscherflächen mit wechselnden Spaltenfeldern: Seil und Steigeisen sind von Beginn weg dabei, und die Konzentration bleibt während des gesamten Aufstiegs gefragt.
Das Besondere an dieser Tour ist die Abgeschiedenheit. Obwohl der Furkapass touristisch gut erschlossen ist, bleibt der Galenstock vom Rambetrieb weit entfernt. Wer sich auf den Gletscher begibt, ist schnell allein mit dem Eis, der Stille und einem Panorama, das vom Rhonegletscher bis zu den Walliser Viertausendern reicht.
Ideal für: Bergbegeisterte mit erster Gletschererfahrung, die eine Tour mit echtem alpinem Charakter suchen, ohne gleich die grossen Touren des Wallis anzugehen.
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5. Krönten (3108 m): Haustour über Erstfeld mit Blick ins Reusstal
Schwierigkeit: L (Normalroute)
Aufstieg: ca. 4 Std. ab Kröntenhütte | Gehzeit gesamt: 2 Tage
Ausgangspunkt: Erstfeld (UR) zur Kröntenhütte, weiter auf den Gipfel
Saison: Juli bis September
Der Krönten ist unser Hausberg. Direkt oberhalb von Erstfeld gelegen, ist er für das Exped Tribe Team mehr als eine Trainingstour: Er steht für das, was die Urner Alpen ausmacht. Kein Rummel, kein Massentourismus, dafür ein stiller Aufstieg durch das Erstfeldertal, eine gemütliche Übernachtung auf der Kröntenhütte und am nächsten Morgen der Gipfelanstieg über den Glatt Firn und die Westgrat Normalroute.
Ab der Hütte führt die Normalroute zunächst über Alpgelände und Blockfelder, bevor man auf den Firn trifft. Der Glatt Firn ist das Herzstück der Tour: Hier kommen Steigeisen und Seil zum Einsatz, das Gelände wird weiter, die Luft dünner, die Stille vollständiger. Der Gipfel auf 3108 Metern belohnt mit einem direkten Blick ins Reusstal, hinunter nach Erstfeld und hinüber zu den grossen Nachbarn: Dammastock, Sustenhorn und die Berner Hochalpen.
Was diese Tour besonders macht: Sie beginnt vor der Haustür. Wer in Erstfeld einsteigt, erlebt innerhalb von zwei Tagen den kompletten Bogen einer alpinen Hochtour, vom Taldorf bis auf den vergletscherten Gipfel, ohne Anreise, ohne Zeitverlust, ohne Kompromisse beim Erlebnis.
Ideal für: Einsteiger und Fortgeschrittene, die eine klassische Zweitages-Hochtour mit Hüttenübernachtung und echtem Gletscherkontakt suchen.
Wann ist die beste Zeit für Hochtouren in Uri?
Der Sommer in den Urner Alpen dauert in der Regel von Mitte Juni bis Anfang Oktober. Die besten Bedingungen auf den Gletschern herrschen typischerweise im Juli und August, wenn der Winterschnee abgeschmolzen ist und der Firn guten Halt bietet. Ab mitte September werden die Nächte kürzer und frischer, die Hütten leerer und die Sicht oft am klarsten.
Ein Punkt verdient besondere Beachtung: Die Gletscher in den Urner Alpen verändern sich rasant. Was vor zehn Jahren noch selbstverständlicher Schnee war, ist heute oft blankes Eis oder Geröll. Aktuelle Verhältnisberichte und lokale Kenntnisse sind deshalb wichtiger denn je. Unser Team begeht die Routen regelmässig und kennt den aktuellen Zustand der Gletscher aus erster Hand.
Mit Bergführer durch die Urner Alpen
Wir sind von Erstfeld. Die Urner Alpen sind unser Heimgebirge, und das merkt man. Wir kennen die Routen, die stillen Alternativen, die besten Hütten und die lokalen Wetterphänomene, die kein Wetterdienst zuverlässig vorhersagen kann.
Ob du deine erste Hochtour planst oder eine anspruchsvolle Überschreitung mit einem erfahrenen Partner suchst: Wir gestalten das Programm nach deinem Niveau, deiner verfügbaren Zeit und deinen Zielen.
Exped Tribe ist eine Bergführerschule mit Sitz in Erstfeld, Uri. Wir begleiten Gäste auf geführten Hochtouren, Skitouren und Expeditionen weltweit, mit dem Fokus auf echte Bergabenteuer und professionelle Sicherheit.
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