Die Ausrüstungsfrage ist oft die erste, die neue Gäste stellen. Was muss ich kaufen? Was kann ich leihen? Was brauche ich wirklich, und was ist übertriebener Bergausstatter-Marketing? Gute Fragen! Wir beantworten sie so ehrlich wie möglich, aus der Praxis von Bergführern, die täglich mit Gästen unterschiedlichster Vorerfahrung in den Bergen unterwegs sind.
Eine Sache vorweg: Du musst für deine erste Hochtour nicht in den teuersten Laden und alles neu kaufen. Vieles lässt sich leihen, kombinieren oder durch vorhandenes Material ersetzen. Was du allerdings nicht kompromittieren solltest, sind die Kernstücke: Schuhe, Schichten und Sicherheit. Diese drei machen den Unterschied zwischen einem unvergesslichen Bergtag und einem, an dem du frierend im Nebel stehst und auf den Abstieg wartest.
Die Grundregel: Leicht, warm, trocken
Bevor wir in die Detailliste gehen, ein Prinzip, das alles andere überschreibt: Auf einer Hochtour im Sommer wechselt das Wetter schneller als im Tal. Was morgens als strahlend klarer Tag beginnt, kann am frühen Nachmittag in Gewitter, Schnee oder dichten Nebel umschlagen. Gleichzeitig ist die Sonnenstrahlung auf 3000 Metern und höher intensiver als unten, der Wind kälter und der Körper durch Anstrengung und Höhe deutlich anfälliger.
Das bedeutet: Du willst leicht genug sein, um schnell zu gehen. Warm genug, um im Stillstand nicht auszukühlen. Und trocken genug, um auch bei schlechterem Wetter handlungsfähig zu bleiben.
Alles auf der folgenden Liste folgt diesem Prinzip.
Die Ausrüstungsliste im Überblick
Schuhe: dein Kontaktpunkt zu Fels und Eis
Bergschuhe mit steifer Sohle (Kategorie C oder B/C)
Das ist der Punkt, bei dem wir keine Kompromisse akzeptieren. Für eine Hochtour mit Gletscherkontakt brauchst du Bergschuhe, die Steigeisen halten. Das bedeutet eine Sohle, die sich nicht biegt, eine definierte Steigeisenaufnahme vorne und hinten und ausreichend Knöchelstabilität.
Wanderschuhe, Trailrunner oder weiche Trekkingschuhe sind auf dem Gletscher gefährlich. Sie geben bei Steigeisentritten nach, bieten keinen Halt auf hartem Firn und ermüden die Beine unnötig schnell. Investition lohnt sich hier langfristig: Ein guter Bergschuh hält bei regelmässiger Pflege zehn und mehr Jahre. Was wir empfehlen: Schuhe von La Sportiva oder Scarpa in der Kategorie C oder B/C. Nicht zwingend das teuerste Modell, aber das passende für die geplante Aktivität.
Gamaschen
Gamaschen halten Schnee, Schmelzwasser und Geröll aus dem Schuh. Kurze Variante für Sommertouren ohne tiefen Schnee ausreichend, lange Variante für Firn und Gletscherrouten mit Nassschnee. Gewicht: fast nichts. Nutzen: gross. Sind oft auch in Hardshell oder Softshell Hosen eingebaut und integriert, so dass man kein extra Paar anziehen muss.
Bekleidung: das Zwiebelschalenprinzip
Eine Hochtour beginnt meist früh morgens in der Kälte und endet am Mittag in der Sonne, manchmal in umgekehrter Reihenfolge. Das Zwiebelschalenprinzip ist keine Marketingformel, sondern die einzig sinnvolle Strategie für wechselnde Bergverhältnisse.
Basissicht: Funktionsunterwäsche
Merinowolle oder Synthetik, aber keine Baumwolle. Baumwolle speichert Feuchtigkeit, trocknet nicht und kühlt den Körper im Wind gefährlich aus. Eine gute Merinounterwäsche reguliert die Temperatur, nimmt Schweiss auf und bleibt auch nach einem langen Tag geruchsneutral. Das ist kein Luxus, das ist Grundlage für angenehme Temperatur am Berg.
Mittelschicht: Fleece oder leichte Isolationsjacke
Eine Fleecejacke oder leichte Daunenjacke für Pausen, Gipfel und den Morgen. Im Aufstieg meist im Rucksack, am Gipfel unverzichtbar. Wer auf 3500 Metern in einem T-Shirt am Gipfelkreuz steht und keine zusätzliche Schicht anzieht, friert innerhalb von Minuten.
Aussenschicht: Hardshelljacke (wasserdicht und atmungsaktiv)
Die Hardshelljacke ist dein Schutz gegen Wind, Regen und Nassschnee. Sie muss wasserdicht sein, nicht wasserabweisend. Der Unterschied: Wasserdicht heisst versiegelter Reissverschluss, verschweisste Nähte, mindestens 20.000 mm Wassersäule. Atmungsaktiv ist ebenso wichtig, weil sonst der eigene Schweiss von innen genauso durchnässt wie der Regen von aussen.
Hose
Weiche Softshellhose oder robuste Berghose mit etwas Stretch. Keine Jeans, keine normale Sporthose. Im Steigeisengehen bleibt die Hose oft an den Krampen hängen: eine stabile, nicht zu weite Hose ist hier besser als eine flatternde.
Thermohose
Bei Touren mit frühem Aufbruch, auf Gletschern oder bei Touren im September/Oktober lohnt sich eine leichte Thermohose als Zwischenschicht.
Kopf und Hände: unterschätzt, aber wichtig!
Wollmütze oder leichte Sturmhaube
Selbst im Hochsommer: eine dünne Mütze gehört in jeden Rucksack. Auf 3000 Metern kann der Wind empfindlich kalt werden, vor allem bei Erschöpfung. Gewicht: unter 60 Gramm. Kein Grund, darauf zu verzichten.
Sonnen und Windschutz: Buff oder Balaclava
Für Gletscher und exponierte Grate: ein Buff oder Balaclava schützt Gesicht und Hals vor Wind und UV-Strahlung. Auf dem Gletscher trifft die Sonne von oben und von der Eisoberfläche reflektiert: das Gesicht bekommt an einem Gletschertag mehr UV ab als an einem ganzen Strandtag.
Handschuhe (zwei Paar)
Dünne Liner-Handschuhe als Basisschicht, warme Fäustlinge oder Berghandschuhe für Wind und Kälte. Beim Gehen mit dem Pickel sind Handschuhe wichtig und Pflicht.
Sonnenbrille mit Gletscherschutz (Kat. 4)
Normal getönte Sonnenbrillen reichen auf dem Gletscher oft nicht. UV-Schutz Kategorie 4, idealerweise mit Seitenschutz. Schneeblindheit ist schmerzhaft, hält Tage an und ist vollständig vermeidbar.
Technische Ausrüstung:
Auf einer geführten Hochtour mit Exped Tribe stellst du dir folgendes selbst zusammen:
Rucksack (25 bis 35 Liter)
Gross genug für alle Schichten, Essen, Wasser und Sicherheitsausrüstung. Klein genug, um den Rücken beim Klettern nicht zu belasten. Ein Hüftgurt ist wichtig für lange Zustiege.
Trinkflasche oder Thermos (mindestens 1.5 Liter)
Auf dem Gletscher gibt es (leider) kein Café. Der Flüssigkeitsbedarf ist auf einer Hochtour durch Anstrengung und trockene Bergluft deutlich höher als gewohnt. Mindestens 1.5 Liter Flüssigkeit mitbringen, bei langen Touren 2 Liter.
Essen und Riegel
Regelmässig essen ist auf einer Hochtour kein Luxus, es ist Leistungserhalt. Nüsse, Riegel, Käse, Brot, Schokolade: alles erlaubt, was kalorien und nährstoffreich ist und nicht gefriert.
Stirnlampe mit Ersatzbatterie
Hochtouren beginnen früh. Sehr früh. Oft um drei oder vier Uhr morgens, wenn der Firn noch hart und sicher ist. Ohne Stirnlampe ist oft ein Aufbruch nicht möglich.
Evt. ein Gehstock/Trekkingstock
Erste Hilfe Set und persönliche Medikamente
Ibuprofen oder Aspirin für Kopfschmerzen durch Höhe oder Erschöpfung. Pflaster für kleine Blasen. Sonnencreme LSF 50 und Lippenbalsam für Gletscher.
Gletscher und Felsmaterial
Kletterhelm
Klettergurt
Fürs Hochtouren reichen of leichte Klettergurte, auch als Hochtourengurte bekannt.
Pickel
Bei gestrecktem Arm nach unten, ca. Knöchelhöhe, sollte kein Schneeanker sein 😉
Steigeisen mit Antistoll
Empfehlenswert sind Steigeisen mit Korb vorne und Klipp Verschluss hinten. Diese sind auch auf Hochtourenschuhen gut zu gebrauchen.
2 Schraubkarabinern für schnelles Anseilen am Gletscher.
1 Bandschlinge 120 cm als Selbstsicherungsschlinge oder Prusik an einem Fixseil.
Für die Hüttenübernachtungen
Bei Hüttenübernachtungen brauchst du sehr wenig zusätzliches. SAC Hütten sind modern, komfortabel und gleichen einem hoch gelegenen Hotel 🙂
Seidenschlafsack
Toilettenartikel (aufs minimum reduziert)
Persönliche Medikamente
Wenig Ersatzwäsche
Ein frisches T-Shirt und Socken müssen für eine zweitägige Hochtour reichen.
Bargeld für Konsumationen auf der Hütte
Snacks können oft vor Ort gekauft werden, wie Sandwiches, Riegel und Schokolade
Was der Bergführer mitbringt
Auf einer geführten Hochtour mit Exped Tribe wird folgendes vom Guide mitgebracht:
Seil, lokales Kartenmaterial und Wetterbericht, Biwakausrüstung für Notfälle.
Was du mitnehmen kannst, aber nicht musst: eigene Steigeisen, Pickel, Helm und Schraubkarabiner. Für denen, die regelmässig in den Bergen unterwegs sind, lohnt sich eine Investition. Wer auf seiner ersten Hochtour ist, empfehlen wir das Leihen: ist komfortabler, kostet weniger, und nach der ersten Tour weisst du genauer, was dir wichtig ist und was dein nächster Pickel alles können muss.
Leihen oder kaufen?
Unsere Empfehlung für Einsteiger:
Kaufen lohnt sich bei: Bergschuhen (müssen sitzen), Hardshelljacke (vertrauen auf die eigene), Funktionsunterwäsche (persönlich), Sonnenbrille (Passform).
Leihen lohnt sich bei: Steigeisen, Pickel, Helm. Diese Stücke sind teuer, modellabhängig und für die erste Tour nicht notwendig zu besitzen.
Exped Tribe koordiniert Leihausrüstung für alle gebuchten Touren. Frag uns einfach bei der Buchung.
Auf welche Touren passt diese Ausrüstung?
Mit der oben beschriebenen Ausrüstung bist du auf folgenden Exped Tribe Touren bestens vorbereitet:
Auf dem Sustenhorn (3502 m) bewegst du dich über den Steingletscher auf einen der schönsten Aussichtsgipfel der Urner Alpen: genau das richtige Gelände um Steigeisen, Pickel und Schichtenprinzip in der Praxis kennenzulernen.
Wer die grosse Herausforderung sucht, findet sie auf dem Piz Bernina via Biancograt: einer der klassischsten Grattouren der Alpen, auf der die Ausrüstung und die Erfahrung gemeinsam auf die Probe gestellt werden.
Und für alle, die noch keinen eigenen Bergführer kennen oder unsicher sind, welche Tour zu ihrem Niveau passt: Eine unverbindliche Anfrage genügt.
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Exped Tribe ist eine Bergführerschule mit Sitz in Erstfeld, Uri. Wir begleiten Gäste auf geführten Hochtouren, Gletschertrekkings, Skitouren und Expeditionsreisen in der Schweiz und weltweit.
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Hier kommen wir von Exped Tribe ins Spiel!
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