Du planst deine erste Hochtour und liest überall Abkürzungen wie «L», «WS» oder «ZS». Die Tourenberichte sagen «ZS, II» oder «WS+» und du fragst dich: Was sagt das über mich aus? Bin ich dabei, oder noch nicht?
Die SAC-Hochtourenskala ist das Bewertungssystem des Schweizer Alpen-Clubs für Bergtouren mit Gletscher-, Fels- und Firn-Kontakt. Sie ist nicht perfekt, aber sie ist der gemeinsame Nenner, den alle Bergführer, Tourenführer und Bergschulen in der Schweiz verwenden. Wer sie versteht, kann Touren richtig einschätzen, Gespräche mit dem Bergführer besser führen und vor allem: keine bösen Überraschungen am Berg erleben.
Wozu gibt es die SAC-Skala?
Berge lassen sich nicht mit einer Zahl beschreiben. Ein 4000er kann technisch einfach sein, aber durch Höhe, Wetter und lange Zustieg trotzdem kräfteraubend. Ein 3000er kann kurz sein, aber mit ausgesetzten Felspassagen punktuell sehr anspruchsvoll werden.
Die SAC-Hochtourenskala versucht, diese Vielschichtigkeit in eine handhabbare Einschätzung zu bringen. Sie bewertet die Gesamtanforderung einer Tour, nicht nur die schwerste einzelstelle, oder eine vereinzelzte kurze Kletterpassage. Das ist ein wichtiger Merkmal: Eine Tour mit einer kurzen ZS-Stelle, aber sonst einfachem Gelände, kann in der Skala als WS bewertet sein.
Parallel dazu gibt es noch die UIAA-Klettergradeinteilung (I bis IX+) für Felsschwierigkeiten und die SAC-Wanderskala (T1 bis T6) für Wanderungen ohne Klettergelände. Bei Hochtouren wird oft beides kombiniert angegeben: «WS, II» bedeutet Gesamtschwierigkeit wenig schwierig, mit Kletterstellen im UIAA-Grad II.
Die sechs Stufen der SAC-Hochtourenskala
L: Leicht
Die Stufe «L» ist der Einstieg ins Hochgebirge. Touren in dieser Kategorie führen über Gletscher oder Firn, enthalten aber kaum technische Kletterstellen. Das Gelände ist übersichtlich, die Route logisch, die Herausforderung liegt vor allem in Kondition und Höhe.
Was du brauchst: Trittsicherheit auf Geröll und Schnee, Grundkondition für 5 bis 7 Stunden Gehzeit, keine Vorkenntnisse im Klettern. Steigeisen und Pickel sind trotzdem dabei, und das Gehen am Seil wird geübt.
Typische Touren in dieser Stufe: Breithorn (4164 m) ab Klein Matterhorn, Allalinhorn (4027 m) ab Mittelallalin, Sustenhorn (3502 m) über den Steingletscher. Genau das Richtige für die erste geführte Hochtour.
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WS: Wenig schwierig
«WS» ist die häufigste Einstufung für klassische Sommertouren in den Alpen. Das Gelände ist abwechslungsreicher als bei L: steilere Firnflanken, kurze Kletterpassagen im ersten UIAA-Grad, ausgesetztere Grate. Trotzdem gilt: Mit solider Kondition und einem erfahrenen Bergführer sind WS-Touren für engagierte Einsteiger erreichbar.
Was du brauchst: Erste Erfahrung im Gebirge oder einen Hochtourenkurs im Rucksack. Du solltest dich im unwegsamen Gelände sicher fühlen und mit Steigeisen schon einmal unterwegs gewesen sein.
Typische Touren: Vrenelisgärtli (2904 m) über die Glärnisch-Route, Dammastock (3630 m), Weissmies (4017 m), Tödi (3614 m) über den Bifertengletscher.
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ZS: Ziemlich schwierig
Ab «ZS» wird es spürbar anspruchsvoller. Steilere Firnflanken (40 bis 50 Grad), längere Kletterpassagen im zweiten und dritten UIAA-Grad, ausgesetzte Grate mit wenig Sicherungsmöglichkeiten. Das Tempo in der Seilschaft muss stimmen, und die Konzentration bleibt über viele Stunden gefragt.
Was du brauchst: Mehrere Hochtouren in der Kategorie WS oder besser WS, Erfahrung im Klettern mit Seil und eine gute Portion Selbsteinschätzung. Mit einem Bergführer ist ZS erreichbar, aber nicht auf der ersten Tour.
Typische Touren: Galenstock (3583 m) über den Tiefengletscher, Lauteraarhorn (4042 m), Lyskamm (4527 m), Zinalrothorn (4221 m). Auch der Piz Bernina via Biancograt ist in dieser Kategorie eingestuft — eine der schönsten Bergtouren der Alpen.
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S: Schwierig
«S» bezeichnet Touren für erfahrene Alpinisten. Steile Eisflanken über 50 Grad, Kletterpassagen im dritten und vierten UIAA-Grad, lange und ausgesetzte Grate. Wer hier unterwegs ist, kennt das Gelände, seine eigenen Grenzen und hat hunderte Höhenmeter im alpinen Gelände in den Beinen.
Was du brauchst: Mehrjährige Erfahrung im Hochgebirge, Sicherheit im Klettern bis UIAA III, Routine im Umgang mit Eisschrauben und Sicherungstechniken.
Typische Touren: Matterhorn Hörnligrat (4478 m), Eiger Mittellegigrat (3970 m), Dent Blanche (4357 m) Südgrat.
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SS: Sehr schwierig, AS: Ausserordentlich schwierig
Diese beiden Stufen bezeichnen das obere Ende des alpinen Spektrums: extreme Eisrouten, lange Nordwände, Klettergelände ab UIAA IV und aufwärts. Für erfahrene Alpinisten und Extrembergsteiger. Der Mount Everest, ohne ergänzenden Sauerstoff, liegt beispielsweise im Bereich AS. Touren dieser Schwierigkeit bieten wir nur als Langfristiges Projekt an. Wir bereiten unsere Gäste durch mehrere Vorbereitungstouren auf eine solche Unternehmung drauf an und trainieren gezielt, so dass die Tour ein Erfolg wird.
Wo findest du die Schwierigkeitsbewertung?
Auf den meisten Tourenseiten wie Gipfelbuch und Hikr, im SAC-Tourenportal und in den klassischen Tourenführern findest du die Einstufung direkt bei der Tourenbeschreibung.
Fazit: Die Skala dient als Werkzeug, nicht als Urteil
Die SAC-Skala ist ein Orientierungsrahmen, der dir und deinem Bergführer hilft, das richtige Ziel zu finden. Was letztlich zählt: Dass du gut vorbereitet bist, das richtige Tempo gehst und mit einem Menschen unterwegs bist, der das Gelände kennt. Wenn du unsicher bist, wo du einsteigst: Schreib uns. Wir helfen dir, die richtige Tour für dein Niveau und zu den herschennden Bedingungen zu finden.
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Exped Tribe ist eine Bergführerschule mit Sitz in der Zentralschweiz. Wir begleiten Gäste auf geführten Hochtouren, Gletschertrekkings, Kletterkursen und Expeditionsreisen in der Schweiz und weltweit.
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